16 Mrz
2020

Das Coronavirus hat das berufliche und private Leben schneller verändert als es sich ausbreiten konnte. Vieles, was vorher bestenfalls halbherzig gemacht wurde, wie Home-Office, aber auch online Lernen bekommt auf einmal immensen Auftrieb.

Es erscheint als die Lösung die Verbreitung des Virus zumindest zu verlangsamen. So entstand in wenigen Wochen ein regelrechter Hype, Meetings nur noch online zu veranstalten, Videokonferenzen zu organisieren, Videos für Schulunterricht und Weiterbildung zu erstellen oder zumindest damit zu beginnen.

Das ist einerseits gut, da es die unmittelbaren sozialen Kontakte vermindert, ohne gleich vollständig in die Isolierung zu gehen. Und es ist auch klar, ohne das Internet ständen wir der Corona Virus Krise weitaus hilfloser gegenüber.

Auf der anderen Seite werden aber die damit verbundenen Veränderungen in ihren Folgen unterschätzt. Das Internet ist ein anderes Medium und als anderes Medium stellt es andere Anforderungen.

Eine Art 1 zu 1 Übertragung funktioniert in der Regel schlecht oder gar nicht. Die Situation ist anders. Die Ablenkungen sind größer, wenn man an seinem PC oder Laptop sitzt. Es ist leichter nebenher andere Aufgaben zu erledigen oder auch zu spielen, ohne dass dies bemerkt wird.

Vielfach ist die erforderliche Medienkompetenz noch nicht ausreichend entwickelt. Facebook, WhatsApp und andere soziale Netzwerke sind einfach und intuitiv zu bedienen und zu verwenden. Das hat zu ihrer großen Verbreitung wesentlich beigetragen. Der Preis dafür sind unsere Daten, die in diesen Netzwerken nicht ausreichend geschützt sind. Sobald der Datenschutz höhere Priorität bekommt, und das ist sowohl im Home-Office als jeder Form von Unterricht der Fall, muss man sich intensiver mit den Programmen oder Portalen auseinandersetzen. Es ist also innerhalb weniger Wochen ein immenser Bedarf an Lernen entstanden dem kein ausreichendes Angebot gegenübersteht.

Verschärft hat sich die Situation durch die Schließung der Schulen. Auch Unternehmen stehen vor der Frage, ob und wie sie den Betrieb aufrechterhalten können. Home-Office ist vielfach nicht allein die Lösung, da viele Aufgaben nur vor Ort erledigt werden können.

Für die Schulen stellt sich die Frage, wie der Unterricht weitergeführt werden kann. Lernmanagementsysteme wie z.B. Moodle sind hilfreich, aber meist nicht ausreichend. Sie können den Präsenzunterricht ergänzen, aber nicht ersetzen. Es fehlt der direkte und persönliche Kontakt. Lernen ist ein sozial. Lernen ist Beziehung. Und Beziehung braucht den unmittelbaren Kontakt, den Austausch, die Diskussion und die gemeinsame Reflexion.

Dies ist möglich, kann aber über Videokonferenzsysteme allein nicht hergestellt werden. Dazu werden Portale wie Adobe Connect benötigt, die über die Funktionen verfügen, die für einen guten Unterricht benötigt werden. Das dies möglich ist, zeigen die Erfahrungen der Fernuni Hagen, der Diploma Hochschule und vieler anderer.

Heute, bedingt durch das Coronavirus, erleben wir das Phänomen, dass virtuelle Kommunikation, online Lernen und Home-Office sich in der Vergangenheit viel zu langsam entwickelt haben und gegen große Widerstände kämpfen mussten, jetzt aber ganz schnell alle Probleme lösen sollen. Das wird nicht gehen, da der Schulungsbedarf gar nicht so schnell befriedigt werden kann. Dennoch wird es helfen, den in Deutschland bestehenden Nachholbedarf endlich aufzuholen. Das Coronavirus wird unsere Schulen, unsere Unternehmensstrukturen, unsere Wirtschaft und die Art wie wir arbeiten und lernen innerhalb kurzer Zeit stärker verändern als wir uns heute vorstellen können. Wir können nur hoffen, dass es gelingt die Zukunft positiv zu meistern. Die Mittel dazu haben, wir müssen sie nur vernünftig nutzen.

Dr. Peter Westebbe

peter.westebbe@icloud.com