08 Jul
2015

Footprints of emergence sind eine neue, sehr vielseitige und vor allem sehr viel versprechende Methode zur Evaluierung von Lernergebnissen. Sie bergen das Potenzial formales und informelles Lernen als Ganzes zu erfassen. Gerade deshalb ist ihre Erprobung im Rahmen von Workplace-Learning-Arrangements sehr zu empfehlen.

 

In Berührung gekommen bin ich mit den footprints of emergent learning Anfang diesen Jahres bei einem Online Kurs über MOOCs. Der Grund dafür: Footprints sind eine wunderbare Methode MOOCs zu planen und zu evaluieren, wie sie überhaupt eine hervorragende Methode zur Evaluation von Lernprozessen darstellen – formalen und informellen und einer Kombination aus beidem.

Doch der Reihe nach. Erfunden und entwickelt wurden die footprints of emergence von einer englischen Forschergruppe um Roy Williams und Jenny Mackness. Frau Dr. Jutta Pauschenwein/FH Joanneum Graz hat sie auf das Festland gebracht und begonnen mit einer Gruppe von Forscherinnen den Einsatz der footprints og emergence im Kontext von Hochschule, aber auch Schule und Ausbildung zu erproben. Wir haben uns dieser Gruppe als Externe angeschlossen und suchen weitere Anwendungsfelder in der Praxis um zum Erkenntnisfortschritt beizutragen.

Drei Wochen – zwei davon nahezu in Klausur – habe ich mich gerade im Rahmen einer weiteren Fortbildung an der FH Joanneum durch Frau Dr. Jutta Pauschenwein mit den footprints auseinandergesetzt, habe Literatur studiert, Forschungsberichte gelesen, footprints gezeichnet und interpretiert. Meinen aktuellen Wissenstand teile ich hier gerne mit.

Zunächst sind Footprints ein qualitives Verfahren zur Selbst-Evaluierung von Lernereignissen. Der Lernende selbst analysiert und bewertet seinen Lernvorgang anhand von 25 Faktoren, die sich auf insgesamt 4 Cluster verteilen. Aggregiert kann der/die Lehrende erkennen, in wieweit ein Kurs oder Workshop seine Ziele erreicht hat und wie groß dabei die Übereinstimmung der einzelnen Lernenden gewesen ist. Anhand der Ergebnisse kann ein Kurs überarbeitet oder feinjustiert werden.

Damit zeigt sich, dass footprints auch als Planungsinstrument für das Kursdesign eingesetzt werden können. Lehrende können festlegen in welchem Ausmaß Lernenden in ihrem Lernprozess Freiheiten eingeräumt werden oder sie fest gelegten Pfaden zu folgen haben und sich bestimmte fest umschriebene Inhalte aneignen sollen. Möglich ist auch eine Kombination aus beidem. Es gibt den sogenannten „predictiv“ oder fest vorgeschriebenen Bereich im Kern eines Lernereignisses und darum herum den emergenten Bereich, der sich auf einem Kontinuum von sweet zu sharp emergence bewegt. An den Ecken kommt es zu Chaos, wenn Lernende die Übersicht und den Roten Faden verlieren.

Formales und informelles Lernen (wobei man vielleicht besser von offenen Lernpfaden sprechen sollte) können somit integriert geplant und evaluiert werden. Ein anderes Verfahren diese beiden Lernformen zu verzahnen gibt es m.W. derzeit nicht. Sehr vielversprechend ist der Ansatz der footprints of emergence deshalb auch für die Planung und Evaluierung von workplace-learning-Arrangements.

Um die Methode der footprints verstehen zu können, muss man allerdings gedanklich in die Metaebene gehen und den Fokus weg von den Inhalten nehmen. Footprints beschreiben Lernereignisse losgelöst vom Inhalt. Sie messen und bewerten nicht neu gelerntes Wissen und erworbene neue Kompetenzen, sondern sie ermitteln den Rahmen, die Umstände und Bedingungen, unter denen gelernt wurde. Aufbauend auf der theory of complexity gehen sie davon aus, dass sich Rahmenbedingungen und Didaktik auf den nachhaltigen Lernerfolg auswirken.

 

 

pwestebbe

peter.westebbe@icloud.com