06 Sep
2016

Oft gestellt: die Frage nach der Motivation zum Lernen

Bei der Frage nach der Motivation zum Lernen ist es sinnvoll auf die Anfänge zurück zu gehen d.h. sich zu fragen, wie Kinder eigentlich lernen bevor sie in den Kindergarten gehen oder in die Schule kommen.

Kinder sind hochmotivierte Lerner

Es zeigte sich, Kinder sind hochmotivierte Lerner, die sich auch ungern dabei stören lassen. Das wird ihnen dann als Trotz oder mangelnde Anpassung ausgelegt. Spätestens mit dem Kindergarten und in zunehmendem Maße verstärkt durch die Schule setzt ein Prozess ein, der an die Stelle der ursprünglichen Motivation die Konditionierung setzt. Die Konditionierung wird auch als die extrinsische Motivierung bezeichnete.

Die Anpassung an die Gesellschaft erfolgt durch Konditionierung

Diese Konditionierung formt in hohem Maße das Gehirn des heranwachsenden Kindes und führt zu einem Entfremdungsprozess weg von derintrinsischen Motivation. Konditionierung wie sie auch von Pawlow und später Skinner erforscht und angewandt wurde, setzt immer auf Belohnungssysteme, die mehr und weniger subtil sein können. Für das Kind und den Jugendlichen haben zum Beispiel Schulnoten für seine Motivation im Grunde genommen keine Bedeutung. Sie sind Steuerungsinstrumente der Konditionierung.

Die Konditionierung erfolgt über die Freude der Eltern über die guten Noten, was wiederum dazu führt – zumindest in den meisten Fällen, dass die jungen Menschen sich über den Stolz und die Freunde ihrer Eltern freuen.

Konditionierung erfolgt nicht nur über gesellschaftliche Einrichtungen wie Schule, sondern in vielen Lebenszusammenhängen wie Sport, in der Politik oder in der Kirche. Überall lassen sich solche Belohnungssysteme finden, mal materiell, mal immateriell, die uns als Mitglieder einer Gesellschaft prägen.

Konditionierung verhindert Veränderung

In Zeiten gesellschaftlichen Wandels werden diese Konditionierungen jedoch zunehmend zur Belastung. Sie haben bis dahin die alten Gesellschaftsformen gestützt und gefestigt. Verändern sich aber die äußeren Bedingungen, wie wir sie jetzt mit der Digitalisierung erleben, dann funktionieren diese Belohnungssysteme nur noch bedingt oder gar nicht mehr.

Paul Watzlawick hat gezeigt, dass dies nicht dazu führt, sich mit dem Neuen auseinanderzusetzen, sondern im Gegenteil, noch fester am Alten festzuhalten.

Im privaten Bereich erleben die Einzelnen dies mit zunehmenden Ängsten und brauchen psychotherapeutische Hilfe um die alten Konditionierungen zu lösen. Für die meisten Menschen beginnt aber hier die Suche nach denen die ihre Gesellschaftsordnung in Gefahr bringen. Das sind immer die von außen Kommenden, die als Verräter im Inneren definiert oder identifiziert werden.

Damit vertiefen sich die Gräben zwischen den Gruppen innerhalb einer Gesellschaft Das bewirkt die verstärkte Ideologisierung sowohl rechts wie links.

Selbstgesteuerte Motivation zum Lernen

Wenn wir heute von den Einzelnen erwarten, dass sie selbstgesteuert und eigen motiviert lebenslang lernen, dann muss man sich fragen, ob es dabei um eine neue Konditionierung geht oder um ein Zulassen der intrinsischen Motivation. Leider spricht vieles dafür, dass auch hier die intrinsische Motivation nur sekundär gefordert ist. Und man muss sich fragen, ob die neuen didaktischen und pädagogischen Verfahren nicht Konditionierung trickreicher und subtiler entwickeln. Selbst eine Ermöglichungsdidaktik wie sie von Arnold propagiert wird lässt sich als Konditionierung einsetzen.

 

Die Kernfrage ist also, wollen wir überhaupt den intrinsisch motivierten Lernenden, der sich damit der gesellschaftlichen Kontrolle entzieht und tatsächlich seinen Interessen, Wünschen und Träumen folgt und sich nicht mehr durch die Lockung gesellschaftlicher Privilegien steuern lässt.

 

Wir freuen uns über eine Diskussion zu diesem gesellschaftspolitisch sehr wichtigen Thema.

Dr. Peter Westebbe

peter.westebbe@icloud.com